Burgruine Thal

Burgweg 1, 8051 Thal, Steiermark, Austria

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„Burg und Herrschaft Unterthal

Die Burg

Die Burg Unterthal dürfte Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden sein. Die Ruinen der Burg Unterthal erheben sich auf einem steilhangigen, freistehenden Hügel südlich der heutigen Pfarrkirche zwischen dem Thalgraben und Linak. Heute sind von der einst so mächtigen Burg nur mehr wenige Reste vorhanden; nur ein Rundturm ist noch bewohnbar. Der älteste Teil der Burg war wohl das mächtige, aus Bruchsteinen erbaute und mit Hausteinecken ausgestattete Turmhaus mit einer Mauerstärke von 1,4 Metern. Den Burgbe­reich betrat man durch ein mächtiges, rundbogiges Tor. Umgeben war die Burg von einer Wehrmauer, die mit überdachtem Wehrgang und Schießscharten versehen war. Innerhalb der Ringmauer lagen die wehrhaften Wohnbauten und die Burgkirche St. Jakob. Im 17. Jahrhun­dert erfolgte der Zugang zur Burg durch vier Tore.

So wie die Burg auf den Abbildungen des 17. und 18. Jahrhunderts zu sehen ist, stellt sie den Endpunkt einer jahrhundertelangen Entwicklung dar. Zum einfachen Wehrturm des 13. Jahrhunderts kamen ein Turmhaus, dann weitere Gebäude und die Ringmauer. Da bereits im Jahr 1322 ein Pfarrer und somit die Burgkirche nachweisbar ist, dürfte damals die Burganlage bereits einen ersten Abschluß erfahren haben. Es ist eher zu bezweifeln, daß im 16. und 17. Jahrhundert noch Erweiterungsbauten oder neue strategische Anlagen wie Basteien hinzugekommen sein könnten, wie vermutet wurde (Baravalle Robert, o.S, 1962 zit. n. Brunner 1994, S. 385).

Von der Burg Unterthal aus hatte man eine gute Sichtverbindung zur Burg Gösting; der Schreiber der Pfarrchronik Thal wußte 1926 zu berichten, daß Unterthal und Gösting durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen sein sollen (PfATh Pfarrchronik o.S., o.J. zit. n. Brunner 1994, S. 386). Auch von Oberthal aus soll nach der Volksmeinung ein solcher Gang nach Eggenberg oder Gösting führen.

Über Aussehen und Größe der Burg ist in den schriftlichen Aufzeichnungen der frühen Zeit wenig zu finden. 1542 wurde die Burg auf 500 Pfund Pfennig geschätzt (StLA GSch o.S, 1542 zit. n. ebda., S. 386). Als Schloß und Herrschaft Thal im Jahr 1569 von Sebastian von Windischgrätz an den Kärntner Landeshauptmann Georg Khevenhüller verkauft wurde, heißt es von Schloß und Behau­sung Thall lediglich, daß es so verkauft werde, wie es inwenndig und außwenndig mit meuern und zimern sambt zwayen wurzgärtlen darinnen eingefangen, auch die pharr und vogtey darzue gehörig übergeben werde (StLA Stockurbar o.S., o.J. zit. n. ebda., S. 386).

Nachdem die Burg Unterthal im Jahr 1569 wieder an den Landesfürsten gekommen ist, wurde auch die Reparatur des offensichtlich nicht mehr intakten Gebäudes in Angriff genommen (StLA HKSA o.S., 1527 zit. n. ebda. S. 386). Das waren offensichtlich die letzten größeren Baureparaturen, denn seit Unterthal ab 1621 im Besitz der Eggenberger war, wurde es als Adelssitz nicht mehr benötigt und dem Verfall überlassen.

Wenn in den Jahrzehnten nach 1621 in den Rechnungsbüchern der Herrschaft Eggenberg Ausgabenposten für Unterthal vorkommen, dann meistens für die Meierei und Wirtschaft. Beispielsweise erhielt der Zimmermann Jakob Marchl laut Abrechnung von 1665/66 immer­hin noch 136 Gulden 1 Schilling 6 Pfennig für Arbeiten, die er mit seinen Gesellen bei der Herrschaft Unterthal in alt und neuen gepau verrichtet hatte (StLa HA, o.S., o.J. zit. n. ebda., S. 386). Das meiste davon wurde jedoch für Arbeiten zur Erhaltung der Herrschaftsteiche in Thal ausgegeben, wie es ein Jahr später ausdrücklich heißt (StLa HA, o.S., o.J. zit. n. ebda., S. 386). Aber auch auf gutes Obst aus dem Schloßgarten in Thal legte man seitens der Herrschaft durchaus Wert: 1665/1666 wurden dem Thaler Schaffer für 84 Birn- und zehn Apfelpeltzer 18 Gulden bezahlt (StLa HA, o.S., o.J. zit. n. ebda., S. 388). Die Burg verfiel weiter.

Im Jahr 1664 wird das Schloß Unterthal als uraltes Gebäude mit guten Kellern und Gewölben beschrieben, das zwar wohl versehen, aber sonst betreffend die Zimmer, Kam­mern und Gemächer, außer daß das Gebäude vor dem einfallenden Regen geschützt und erhalten werde, ganz baufällig sei, sodaß khein Privat Cavallir zu geschweigen ain Fürst mit seinem Hofstath daselbsten wohnen khönte (StLa HA Urbar, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388).

Ab und zu hören wir in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch von Maurerarbeiten beim Schloß Thal, in dem nach wie vor der Verwalter bzw. Schaffer gewohnt hat, aber es war nur ganz selten der Fall, daß dort noch investiert wurde. In der Abrechnung für 1699/1700 ist eine Ausgabe von 55 Gulden für den Maurer Gregor Posch aus Plankenwarth wegen Maurerarbeitem bey dem gschloß Thall eingetragen (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388).

Im Jahr 1715 scheint im alten Schloß ein Brand ausgebrochen zu sein, denn am 18. August dieses Jahres vermerken die Eggenberger Herrschaftsrechnungen eine Ausgabe von 24 Gul­den zu Handen des Georg Flexner für sechs Bausachverständige wegen vorgekehrter Prandtschäzung bey dem Schloß Undterthall (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388). Offensichtlich hat man die Schäden notdürf­tig repariert, denn 1716/17 wurden 59 Startin Kalk für das Abgebrunene Schloß Thall gegeben (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388).  Auch Ausgaben für Zimmerleute sind vermerkt, und am 5. Juli 1718 wurden für blechene Dachknöpfe ins Thall zum abgebrunnen Schloß 6 Gulden bezahlt, und der Maurer Peter Steinberger erhielt 136 Gulden 24 Pfennig für Maurerarbeit bei diesem abgebrannten Schloß, und für Holzzeug wurden gar 140 Gulden ausgegeben (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388).  Im Jahr 1730/31 wurden 1600 Dachziegel und 100 Hohl­ziegel zu Reparaturzwecken ins Schloß Thal gebracht und ein Startin Kalk ge­kauft (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388). Dann aber hören derartige Bau­besserungen allmählich auf.

Mit der Burg war auch die Burg- und Pfarrkirche St. Jakob zur Ruine geworden, sodaß man dort im 18. Jahrhundert nur mehr unter Lebensgefahr Messe feiern konnte. 1772 wurde die Statue des Kir­chenpatrons St. Jakob und mit ihm das Pfarrkirchenrecht zur Filialkirche St. Se­bastian übertragen und die Kirchenruine abgebrochen.

Wenn im 18. Jahrhundert in den Thaler Pfarrmatriken noch von Leuten die Rede ist, die in der Burg gewohnt haben sollen, so ist damit meistens das daneben gelege­ne Forsthaus gemeint, so zum Beispiel im Jahr 1730: Am 17. April dieses Jahres heiratete in Thal Matthias Rochus Kerch­ner aus Graz die Theresia, Tochter des Matthias Timschitz, einst Schneider in Laibach, die damals apud Epistatem in Arce Unterthall, beim Schaffer in der Burg Unterthal, in Diensten war (StLa HA, o.S., o.J zit.n. ebda., S. 388). Am 19. September 1740 ist die Witwe Maria Karner geb. Zimmermann in alte Unterthal (in der Burg Unterthal) im Alter von 69 Jahren verstorben (PfATh Tauungsmatrix, o.S., o.J zit. n. ebda., S.389). Nur der eine Rundturm wurde weiterhin erhalten und bewohnt. So erfahren wir beispielsweise, daß im Jahr 1874 ein Andreas Gogg als Inwohner in der Thaler Ruine lebte (PfATh Tauungsmatrix, o.S., o.J zit. n. ebda., S.389). Dieser Turm ist auch noch gegenwärtig bewohnbar.“

Quelle: Brunner, Walter: (1994) Thal. Der Lebensraum und seine Bewohner. Hausmannstätten/Graz. Josef Riegler Verlag.

 

Abbildungsverzeichnis:

  • Detail der Ruine Unterthal. Getönte Lithographie von J.F.Kaiser, um 1830 (StLA).
  • Älteste Abbildung der Schlösser Unter- und Oberthal; im Vordergrund Fischteiche. Zeichnung für den 1649 von Matthäus Merian gedruckten Kupferstich. Orig. in Leipzig.
  • Der untere Torturm der Burg Unterthal ca. 1950. Einziger noch bewohnter Teil (StLA).
  • Ruine Unterthal: Turm mit Rundfenster (J.Ranftl).

Quelle: Brunner, Walter: (1994) Thal. Der Lebensraum und seine Bewohner. Hausmannstätten/Graz. Josef Riegler Verlag.

 

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Burgweg 1, 8051 Thal, Steiermark, Austria